Hydrolate – Herstellung, Qualität und Empfehlung für den Einkauf 16.08.2019

Hydrolate – Herstellung, Qualität und Empfehlung für den Einkauf

Die Zentren der Hydrolatherstellungen finden sich in den großen Anbaugebieten der relevanten Heilpflanzen wie zB Provence/Frankreich für Lavendel, Rosevalley in Bulgarien für Damaszener Rosen und Lavendel. Da dort Hydrolate günstig und im Übermaß vorhanden sind, hat sich die Nutzung in der Bevölkerung als Heilmittel und zur Pflege früh etabliert. Bei uns hingegen sind Hydrolate noch wenig gebräuchlich.

Herstellung

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Hydrolate entstehen bei der Wasserdampfdestillation von Kräutern oder Blüten. Der Wasserdampf steigt dabei durch die mit Pflanzenmaterial gefüllte Destille und löst das ätherische Öl aus den Pflanzen. Danach kondensiert der Dampf in der Kühlung und das ätherische Öl trennt sich in der Florentinervase ab und wird entnommen. Zurück bleibt das Hydrolat, das auch Pflanzenwasser genannt wird.

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Dieses Hydrolat hat nun eine ähnliche Zusammensetzung wie das ätherische Öl allerdings in einer hoch verdünnten Form (Verdünnungfaktor 1:600 bis 1:1200). Daher kann es nahezu bedenkenlos angewendet werden, was für ätherische Öle nicht gilt. Dabei gibt es nur wenige Ausnahmen wie zum Beispiel Salbeihydrolat, das in großen Mengen und ggf. innerlich nicht in der 1-3 Schwangerschaftsmonat verwendet werden soll.

Weiters enthält das Hydrolat zusätzlich noch alle wasserlöslichen Bestandteile der Pflanze, mit zusätzlicher Nutzwirkung.

Qualität

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Hydrolat wird vom qualitätsbewußten Hersteller nur so lange erzeugt, wie auch Öl aus den Pflanzen gewonnen werden kann. Einige Hersteller, die meist allerdings nur Hydrolate in kleinen Mengen herstellen, achten darauf weniger, da sie ja eine möglichst große Menge Hydrolat erzeugen wollen. Dadurch leidet die Konzentration der Inhaltsstoffe. Weiters geht es um die richtige Befüllung der Destille und die Professionalität und Erfahrung des Destillitateurs. Diese Faktoren können Sie bei Handelsware natürlich nicht überprüfen.

Jedes Hydrolat muss vom Hersteller/Destillateur auf seine chemischen Bestandteile untersucht werden. Dieses Analysezertifikat eines anerkannten Labors dokumentiert die inhaltliche Qualität des Hydrolates.

Der pH-Wert der Hydrolate ist je nach Pflanze unterschiedlich und liegt zwischen 2,5-6,5 pH.

In der Lagerung des Hydrolates verändert sich der pH-Wert und steigt an. Ab pH 7 ist das Hydrolat nicht mehr ausreichend vor Verkeimung geschützt und kann als überlagert angesehen werden. Es sollte daher in der Körperpflege nicht mehr angewandt werden. Der pH-Wert des gekauften Lavendelhydrolates zum Beispiel sollte nahe am Wert der Herstellung liegen, was ca. bei pH 3,1-4,5 liegt. Sie erkennen also mit einem einfachen pH-Teststreifen, ob Sie ein frisches oder ein überlagertes Hydrolat vor sich haben.

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Insgesamt überwiegt bei der Nutzerin natürlich nicht die messbare Beurteilung, sondern der subjektive Eindruck von Geruch und Geschmack. Ein Pfefferminzhydrolat sollte also deutlich und intensiv nach Pfefferminze duften. Manche Hydrolate weichen gerade in guter Qualität davon ab, wie zum Beispiel das Lavendelhydrolat, das eher krautig und nur leicht nach Lavendel duftet. Wenn man also Lavendelhydrolat vor sich hat, das stark nach dem bekannten ätherischen Öl der Pflanze duftet, so ist der Ölgehalt zu hoch und ggf. von einer Verfälschung auszugehen.

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Empfehlungen für den Kauf von Hydrolaten.

Preis/Leistung

Wenn Sie Hydrolate, ganz gleich welcher Pflanze in der Menge von 100ml mit einem Preis niedriger als 5,-€ angeboten bekommen, dann ist es ratsam die Finger davon zu lassen, da es sich mit Sicherheit um Abverkaufsware überlagerter Hydrolate handelt.

Auf die Gebindegröße achten

Hydrolate verwendet man meist großzügig. Kleine Gebinde sind daher meist schnell verbraucht. Der Preis pro Liter ist bei 100ml Flaschen um € 80-100/Liter. Für große Gebinde 1 Liter bis 5 Liter zahlt man dann meist einen Literpreis der deutlich geringer ist (bis zu minus 60%). Achten Sie daher beim Kauf darauf, dass Sie Nachfüllflaschen für Ihre Kleingebinde erwerben können.

Nachweisliche Qualität

Jeder Händler von Hydrolaten muss in der Lage sein ein Analysezertifikat vorzuweisen. Damit können Sie sich nicht nur über die Zusammensetzung informieren, sondern wissen sofort, ob es sich um seriöse und frische Ware handelt oder nicht. Dies ist für Hersteller und Händler natürlich aufwändig. Achten Sie darauf, dass das Zertifikat nicht älter als 18 Monate ist, nur so stellen Sie sicher, dass Sie auch wirklich frische Ware bekommen.

Reine Qualität

Hochwertige Hydrolate sind immer solche ohne Zusatzstoffe, denn man will ja ein reines Naturprodukt. Hydrolate, die mit Alkohol und/oder Konservierungsstoffen versetzt sind, sind sehr lange lagerfähig. Diese Hydrolatprodukte sind meist auch entsprechend alt bzw. überlagert.

Lagerung von Hydrolaten

Die größte Gefahr bei der Lagerung von reinen Hydrolaten ist, dass es zu einer Verkeimung kommt. Dagegen hilft nur entsprechende kühle und dunkle Lagerung. Hydrolate sind mit einem pH-Wert von unter 4 pH ausreichend geschützt. Dennoch sollten Sie im Sinne der Sicherheit für eine kühle (<10 Grad C) und dunkle Lagerung sorgen und nach dem Öffnen zügig zu verbrauchen.

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